Google Street View – politisches Affentheater im Sommerloch

Google möchte seinen Dienst “Street View” nun auch in Deutschland anbieten und löst damit eine breite Diskussion über Datenschutz aus, eine Diskussion, die eigentlich bei “Zensursulas” Eskapaden bezüglich der Sperrung von Internetseiten oder Schäubles Vorratsdatenspeicherung eher angebracht gewesen wäre!

Zugegeben, bei Google drängt sich gelegentlich schon mal der Eindruck notorischer Datensammlerei auf. Doch angesichts der immer gröberen und unverfroreneren Versuche staatlicher Organe, mittels raffinierter und für nicht-Juristen kaum durchschaubarer Gesetze und Generalverdachtsargumente in die Privatsphäre unbescholtener Bürger vorzudringen, stellt sich durchaus die Frage, was bitte schön denn so schlimm daran sein soll, wenn Strassenzüge und Häuser deutscher Städte im Internet abgebildet werden.

Wenn Westerwelles Haus dann aufgrund seiner Intervention bei Google wirklich aussen vor bleibt, ist das sicherlich kein großer Verlust für die Allgemeinheit. Die interessiert sich ganz bestimmt nicht sonderlich dafür, welche Unterwäsche auf der Wäscheleine in Onkel Guidos Vorgarten zu sehen sein mag …

Die Diskussion ist typisch provinziell und deutsch: Viele Internetnutzer hierzulande sehen sich gerne die Street View Aufnahmen von London, Paris, New York oder Sydney an, schlendern “virtuell” durch die Gassen der Bronx oder fahren auf ihren Bildschirmen über den Champs Elysees. Wenn aber plötzlich das eigene traute Heim am Spiesserweg 16 in Hinterwald im Internet zu sehen ist, soll das ein Verstoss gegen so ziemlich alle Datenschutz-Richtlinies des deutschen Rechts sein?

Kein Wunder, daß sich unsere Politiker auch hier gleich wieder einmischen müssen: Der Fall “Google” eignet sich schliesslich hervorragend dafür, von den eigenen Begehrlichkeiten abzulenken, uns Bürger auszuspähen. Egal ob gekaufte CDs mit unrechtmäßig und in strafrechtlich bedenklicher Weise erworbenen Daten von Steuersündern, der versuchten Vorratsdatenspeicherung oder auch der kommenden Volkszählung – beim Thema Datenschutz denke ich erst so ziemlich spät an Google Street View, da gibts wahrlich bessere Kandidaten!

Der beste Kandidat von allen steht übrigens bei einem Großteil derer, die gerade diesen Beitrag lesen, direkt vor der Nase: Werfen Sie doch mal einen kritischen Blick auf Ihren eigenen PC, mit dem Sie gerade online sind. Befindet sich auf diesem etwa ein Betriebssystem eines Unternehmens aus Redmond? Dann sollten Sie vielleicht wirklich mal darüber nachdenken, was ihr eigener Rechner gerade ohne Ihr Wissen an die Herrschaften von Microsoft übermittelt und was dort mit diesen Informationen so alles angestellt wird.

Danach können Sie ja immer noch der Darstellung Ihres Hauses im Internet bei Google widersprechen. Bei Microsoft dürften Sie eine Schnüffelei-Widerspruchserklärung allerdings vergeblich suchen …

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